Vor fast genau zwei Jahren war er in den Verdacht der Amtsanmaßung geraten, weil er sich als Polizist ausgegeben haben soll. Vor Kurzem ist er zum kommissarischen Bereitschaftsleiter im DRK Kreisverband Berlin Schöneberg-Wilmersdorf ernannt worden.
Die Bereitschaft Wilmersdorf war leitungslos geworden, da Vorstand und Präsidium der kompletten Leitung und weiteren Helfern ein Hausverbot erteilt hatten (siehe Beitrag „DRK Berlin: Hausverbot im Zeichen der Menschlichkeit“). Eine neue Leitung musste her und da schien der 24-jährige Marvin S. (Name von der Redaktion geändert) gerade recht zu sein.
Clemens Trautermann, stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter, informierte am 6. August die Mitglieder der Bereitschaft Wilmersdorf darüber, dass er Marvin S. kommissarisch mit der Bereitschaftsleitung beauftragt habe.
Vor fast genau zwei Jahren sorgte S. für Schlagzeilen, weil er sich als Polizist ausgegeben haben soll, wie Berliner Tageszeitungen berichteten:
Er habe einen Taxifahrer wegen „rüden Fahrstils“ zur Rechenschaft ziehen wollen, hieß es. Dabei habe er in fast schon filmreifer Manier den Taxifahrer ausgebremst und ihn so zum Halten gezwungen. Nach einem längeren Vortrag über korrektes Verhalten im Straßenverkehr verweigerte der Taxifahrer die Herausgabe seines Führerscheins und verlangte stattdessen den Dienstausweis des vermeintlichen Polizisten zu sehen. Als S. die Flucht antrat statt seinen Dienstausweis, den er natürlich nicht besaß, zu zücken, alarmierte der Taxifahrer die Polizei, die den Flüchtigen kurze Zeit später stellen konnte. Funkgerät, Schlagstock und Blaulicht wurden im Fahrzeug von S. sichergestellt.
Auf Anfrage, ob das Haus- oder Dienstverbot der DRK Rettungsdienst Berlin gGmbH, das als Folge des obigen Vorfalls ausgesprochen worden sein soll, noch existiere, teilte S. mit, man habe ihm damals die Möglichkeit gegeben, den Verdacht gegen sich auszuräumen, was er bisher nicht getan habe, da es auch in Brandenburg Rettungsdienste gebe.
Im Laufe des Gesprächs mit der Redaktion beteuerte S., die Kreisbereitschaftsleitung bereits davon in Kenntnis gesetzt zu haben, dass er das Amt, zu dem er fast unfreiwillig gekommen sein will, bereits abgelehnt und dazu aufgefordert habe, die Mitglieder der Bereitschaft umgehend auf selbem Wege darüber zu informieren. Eine Bestätigung darüber liegt der Redaktion bis dato nicht vor.
Die meisten Leitungs- und Führungskräfte des Kreisverbandes wussten von dem Vorfall. Das war auch ein Grund dafür, dass Marvin S. in den vergangenen Jahren fast gar nicht am Bereitschaftsleben teil nahm. Erst in letzter Zeit, kurz vor seiner Ernennung, war er etwas öfter zu sehen.
Obwohl intern nie ein Verfahren angestrengt wurde um der Sache offiziell auf den Grund zu gehen, machte man sich vor Kurzem noch Gedanken darüber, ob Marvin S. überhaupt ehrenamtliche Dienste machen oder gar ein Fahrzeug des DRK führen dürfe. Um so mehr verwundert die kürzliche Erhebung in den Stand des kommissarischen Bereitschaftsleiters.
Weiterführende Links zur damaligen Berichterstattung
- Berliner Kurier - „Dreister Möchtegern-Polizist geschnappt!“Â
- Berliner Morgenpost – „Falscher Polizist festgenommen“
- Welt Online – „Falscher Polizist festgenommen“
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