Vorstand und Präsidium des DRK Kreisverbandes Berlin Schöneberg-Wilmersdorf e.V. belegen Mitglieder der Bereitschaftsleitung und weitere aktive Bereitschaftsmitglieder mit „absoluten Hausverboten“.
Ohne vorherige Anhörung erteilen Präsidium, vertreten durch den Vizepräsidenten Manfred Klein, und Vorstand, Günter Schmidt, des DRK bereits am vergangenen Freitag den beiden, erst kürzlich von der Bereitschaftsversammlung gewählten, stellvertretenden Bereitschaftsleitern, Markus Wrase und Markus Klevin, sowie ihrem Amtsvorgänger, Norbert Domhöfer, ein absolutes Hausverbot und Teilnahmeverbot für alle Veranstaltungen des Kreisverbandes. Auch die langjährige Bereitschaftsleiterin, Katja B.* und der zurückgetretene Gruppenführer des Betreuungsdienstes, Ben E.*, bekamen einen Brief.
Dass dem Präsidium bekannt geworden sei,… und Mitglieder zwischenzeitlich berichtet hätten, …, wie es in den Schreiben heißt, [konkrete Vorwürfe liegen der Redaktion vor] reicht dem DRK aus, um langjährige aktive Helfer vor die Tür zu setzen.
Es sei vollkommen unverständlich, dass diese, „falschen und völlig aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen“, wie aus Kreisen der Betroffenen verlautete, zu einem absoluten Hausverbot führen können. Frau Katja B.* und Herrn Ben E.* wurde die Möglichkeit einer Stellungnahme eingeräumt. Sollten sie diese Möglichkeit nicht nutzen, ereile sie nach Ablauf einer Frist dasselbe Schicksal, heißt es.
Man vermutet, dass diese falschen Informationen vom noch amtierenden Kreisbereitschaftsleiter, Michael Rothe, und seinem Stellvertreter Clemens Trautermann, stammen könnten. Rothe, der selbst betroffener von Beschwerde- und Disziplinarverfahren sei, in denen Ihm unter anderem vorsätzliche und nachhaltige Störung des Gemeinschaftsleben vorgeworfen werde, versuche auf diese Weise vielleicht seine Widersacher, die sich über sein Verhalten beschwert haben, zu beseitigen.
Normalerweise würden solche Vorwürfe, wie sie hier vom Kreisverband vorgebracht wurden, im Rahmen eines Disziplinarverfahrens untersucht, bei dem alle Seiten gehört werden, wie es in einem Rechtstaat üblich sei, um dann über eventuelle Konsequenzen zu entscheiden. Im vorliegenden Fall scheine man nicht an einer Konfliktlösung interessiert zu sein. Vielmehr werde wohl geglaubt, eine unbürokratische Möglichkeit gefunden zu haben, sich (anders)denkender unbequemer Helfer entledigen zu können. Hier versuche der Kreisverband Ordnungen und Satzungen des Deutschen Roten Kreuzes auszuhebeln und eigene Lösungen zu finden, glauben die Betroffenen.
Was vor dem Rausschmiss passierte
Die ehemalige Kreisbereitschaftsleitung hatte mit dem Präsidium bereits länger anhaltende Probleme, die darin gipfelten, dass das Präsidium die drei Bereitschaften des Kreisverbandes per Beschluss zusammenlegen wollte. Die Bereitschaften wehrten sich und schalteten den Landesverband ein, wodurch der Beschluss letztendlich zurückgenommen werden musste.
Das Verhältnis zwischen Kreisbereitschaftsleitung und Präsidium blieb weiter gestört, so dass ein gemeinsamer Rücktritt der Kreisbereitschaftsleitung, Mitte 2007, den Weg für etwas Neues frei machen sollte.
Ursprünglich wollte man auf die Wahl einer neuen Kreisbereitschaftsleitung seitens der Bereitschaften verzichten und einen Vertreter benennen, der die Interessen der Bereitschaften im Präsidium vertreten sollte. Das Präsidium berief sich auf die Satzung, nach der die Bereitschaften durch den „Kreisbereitschaftsleiter“ vertreten werden und war nicht bereit, einen durch die Bereitschaften entsandten Vertreter mit Stimmrecht zu akzeptieren
Der erste, vom Präsidium angeordnete, Termin zur Neuwahl einer Kreisbereitschaftsleitung scheiterte daran, dass man sich nicht auf fähige Kandidaten einigen konnte. Vorgeschlagen und bereit für das Amt zu kandidieren, waren Michael Rothe und Clemens Trautermann.
Am zweiten Wahltermin, Ende 2007, wurden beide gegen die Stimmen der Bereitschaftsleitung Wilmersdorf gewählt. Die Wahl wies sowohl im Vorfeld, als auch in der Durchführung Mängel auf, glaubte die Leitung der wilmersdorfer Bereitschaft und focht die Wahl erfolglos an.
Diverse, Bereitschaftsmitglieder und ihre Leitung benachteiligende, Vorkommnisse, die von der Kreisbereitschaftsleitung ausgingen, wie einige Mitglieder glaubten, führten zu Rücktritten der stellvertretenden Bereitschaftsleiterin, Anna Schuster, dem Gruppenführer des Betreuungsdienstes, Ben E.* und letzendlich zur Beantragung von Beschwerde- und Disziplinarverfahren gegen Herrn Rothe bei dem Landesbereitschaftsleiter, Norbert Kroschel. Es sollte eine objektive Überprüfung der Vorwürfe stattfinden.
Ganz nebenbei wurden dem stellvertretenden Bereitschaftsleiter, Norbert Domhöfer, auf einem Bereitschaftsabend vor allen Anwesenden, von Jens Frick, Rechtsanwalt und Justitiar des Kreisverbandes, die Schlüssel mit an den Haaren herbeigezogenen Begründungen, wie Domhöfer meint, abgenommen und ihm gleichzeitig sein Amt aberkannt - mündlich. Trautermann saß lediglich als stummer Zeuge mit vor sich verschränkten Armen in einer Ecke, neben dem Justitiar.
Die nun notwendig gewordenen und abermals durch das Präsidium angeordnete Nachwahl der Stellvertreter der Bereitschaftsleiterin Katja B.* endete mit der einstimmigen Wahl von Markus Wrase, Schulleiter einer Rettungsdienstschule, und Markus Klevin, Ausbilder einer Rettungsdienstschule, die gemeinsam annähernd jeden Bereitschaftsabend der vergangenen sechs Monate ausgerichtet und hochwertige Ausbildungen angeboten haben.
Statt das angezeigte Verhalten der Kreisbereitschaftsleitung unter die Lupe zu nehmen oder den Ausgang der anhängigen Verfahren abzuwarten, wurden die mutmaßlichen Opfer vor die Tür gesetzt und somit das Problem nach Art des Präsidiums des DRK Kreisverbandes Berlin Schöneberg-Wilmersdorf e.V. gelöst.
Bereits in der Vergangenheit wurde einem als unbequem angesehenen ehemaligen DRK-Mitglied ein Hausverbot erteilt, mit der Begründung, er habe die aktive Mitgliedschaft in der Bereitschaft beantragt. Das Hausverbot besteht trotz Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes weiterhin.
*) Name ist der Redaktion bekannt.
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