Hier folgt nun der letzte Teil des Tagebuchs über eine unsinnige Maßnahme. Man fragt sich, was sich Träger eigentlich erlauben, um Menschen derart zu degradieren.
Freitag, den 12.September 2008
Heute haben alle im Kurs unserer „dynamischen“ Coacherin den „Praktikanten-Vortrag“ gehalten. Sie teilt uns noch ein Skript über Tips zum freien Reden aus. Immer noch können wir nicht ins Internet.
Montag, den 15. September 2008
Nunmehr hat die AWO es nach so langer Zeit endlich geschafft, dass wir wieder ins Netz kommen. Ansonsten plätschert der heutige Tag vor sich hin, ohne großartige „Aufbruchsstimmung“. Unsere Coacherin ist diese Woche in einer Schulung, so dass sie der Maßnahme-Leiter vertritt.
Dienstag, den 16.September 2008
Unser EDV-Dozent erscheint gegen 10 Uhr, nachdem ihn vorher der Leiter vertritt.
Er gibt uns neue Aufgaben im Word-Bereich, einfache Befehle, die lediglich für echte Anfänger eine Herausforderung sein mögen.
Am Ende erfahren wir, dass eine Teilnehmerin abgemeldet wurde, aufgrund eines Gerüchtes ob ihrer Krankheitsabwesenheit, ohne dass dies mit ihr im Vorfeld abgesprochen war. Sie soll den Kurs wiederholen, ihre berechtigte Entrüstung findet Zustimmung. Es zeigt sich erneut, wie entwürdigend mit Menschen auch hierbei verfahren wird!
Mittwoch, den 17. September 2008
Meine Befürchtung bewahrheitet sich. Der Fehler seitens des Leiters, sie einfach so abzumelden, wird nicht zurückgenommen, aber sie hat entweder bis Ende Dezember den Kurs „nachzuholen“ oder aber den Kurs im nächsten Frühjahr zu beginnen. Ein Skandal, der nur Konsequenzen für sie hat, wenn keine Gegenwehr ihrerseits erfolgt.
Heute erhalten wir eine Internetrecherche-Aufgabe, wobei wir in Teams diese mit einer Präsentation vorführen sollen. Die Themen sind computerhistorischer Art und stoßen nicht gerade auf Begeisterung.
Mein Nachbar soll ein Praktikum absolvieren, obwohl dem Leiter bekannt ist, dass er herzkrankgefährdet ist. Auch hierbei stelle ich fest, dass mein Nachbar sich nicht wirklich wehrt und gleichzeitig die eindeutigen Belange der Teilnehmer seitens der AWO ignoriert werden. Es stinkt förmlich nach Prämienmentalität!
Donnerstag, den 18. September 2008
Der Leiter wird heute von einem jungen EDV-Dozenten vertreten, der sogar uns allen gegenüber zurückhaltend, umgänglich und freundlich ist. Er lässt uns wissen, was er selbst von der AWO hält, was bedeutet, dass er nicht gerade in Begeisterung verfällt.
Mein Nachbar wird vom Maßnahmeleiter dahingehend im Stich gelassen, dass das zugesagte Benzingeld für den heutigen Vorstellungstermin nicht ausgezahlt werden kann, da die Kasse verschlossen ist und kein Schlüssel hinterlegt wurde. Der EDV-Dozent bestätigt dies, und ist darüber ebenso pikiert. Zum Glück erhält mein Nachbar vom Büro der AWO, welches ein Stockwerk höher inzwischen eingerichtet wurde, das Benzingeld, wobei die dortigen Mitarbeiter sich über den Fehler des Leiters entsprechend ärgern; erneut stellt dieser damit seine Unfähigkeit unter Beweis! Gleichzeitig wird dies dadurch unterstrichen, dass der EDV-Dozent nach ergiebiger Prüfung feststellt, weil mein Ersatz-PC heute mich nicht ins Internet lässt, dass entweder die Leitung defekt ist oder aber die Dose.
Freitag, den 19. September 2008
Außer, dass wieder der Maßnahme-Leiter die Coaching-Dozentin vertritt, ergibt sich nichts Weltbewegendes. Er teilt uns einen Fragebogen aus, wo wir erläutern sollen, wie wir die Maßnahme empfinden, ob sie uns real helfen konnte und was wir uns noch von ihr versprechen. Die Begeisterung hält sich entsprechend in Grenzen, manch nichtausgefüllte Blatt wird kommentarlos ihm zurückgegeben. Ich lasse mir es nicht nehmen, die Maßnahme sarkastisch durch den Kakao zu ziehen.
Montag, den 22. September 2008
Heute morgen möchte ich eigentlich fünfzehn Bewerbungen abschicken. Das schlecht vorbereitete Chef-Büro kann mir aber kein Material geben, da dies noch besorgt werden muß.
Somit verschiebt sich die Aktion, und ich bearbeite die Powerpoint-Präsentation über die „Wiederbeschreibbaren Medien“ und kann sie auch erfolgreich fertig stellen.
Dienstag, den 23. September 2008
Drei Präsentationen werden von den Teams vorgetragen. Ziemlich schleppend gelingt es mir zwischendurch wenigstens vier Blindbewerbungen fertigzustellen, da ich das Material jeweils einzeln erhalte und der Drucker zunächst nicht funktioniert.
Die Stimmung im Kurs ist sehr gereizt, da einige Kollegen von der ARGE sanktioniert werden, wobei dies in allen Fällen ungerechtfertigt ist. Unser EDV-Dozent beweist erneut seine Unfähigkeit, in dem er überzogen reagiert, da ich ihm unmissverständlich zu verstehen gebe, dass ich mein Anschreiben nicht ändern werde, nur weil er es gern anders hätte. Letztlich eine konsequente Bestätigung zum ersten Vorfall. Er wundert und beschwert sich bei meiner Nachbarin über unseren Unmut, den wir natürlich nicht verbergen. Die berechtigte, begründete Erwiderung kann er nicht nachvollziehen- ist ja auch klar wieso: er ist eben nicht betroffen!
Mittwoch, den 24. September 2008
Der heutige Tag zeichnet sich als Fortsetzung einer nahezu unverschämten Tonlage seitens des EDV-Dozenten aus, was meine sämtliche Lebenserfahrung ob zwischenmenschlicher Beurteilung nur noch bestätigen kann. Dieses Wesen verhält sich dermaßen „unpädagogisch“, dass mich eine zukünftig heftigste Gegenreaktion nicht im geringsten verwundern würde. Auch hat sich die eine oder andere Sanktionierung seitens der ARGE bei manchen Teilnehmern entsprechend auf deren Gemüt niedergeschlagen.
Donnerstag, den 25. September 2008
An diesem Tag bin ich nicht anwesend, da meine Frau einen Arzttermin in Neuwied hat, und ich den Fahrdienst übernehme. Aber ich bringe durch meine Nachbarin das Wesentliche vom heutigen Tag in Erfahrung.
Die Coacherin legt ein „Bob der Baumeister“-Projekt den Teilnehmern nahe, und zwar für einen Kindergarten. Der sehr schnell sich einschleichende Verdacht meiner Nachbarin bestätigt sich, die Dozentin versucht doch tatsächlich die Projektarbeit als die ihrige für den Kindergarten ihrer Tochter „zu verkaufen“- wir sollen dafür „herhalten“. Zu dumm, dass genau das der gesamte Kurs aber anschließend ablehnt. Das neue Thema lautet nunmehr: „Vorteile der 50plus-Maßnahme“. Ich komme nicht umhin, mich darüber zu amüsieren, weil ich letztlich keine entdecken kann. Am Telephon empfehle ich meiner Nachbarin dieses Tagebuch hier, welches garantiert authentischer sein wird.
Freitag, den 26. September 2008
Ziemlich schleppend erreiche ich es wenigstens, erneut vier Blindbewerbungsmaterialien vom Leiter der Maßnahme zu erhalten. Unsere immer noch spritzig aufgesetzt wirkende Coacherin schaut sich mein Bewerbungsschreiben an, kann dabei nichts „Störendes“ entdecken und wünscht mir viel Erfolg, was ich ihr gegenüber relativiere, wissend, dass Bewerbungen normalerweise an Theatern im Februar/März nur wirklich Sinn machen.
Montag, den 29. September 2008
Mal wieder fällt die Coacherin durch ihre überschwängliche Art auf, es verbleibt der Beigeschmack des „Aufgesetzt-Seins“. Sie führt weiterhin Einzelgespräche mit verschiedenen Teilnehmern, so auch kurz mit mir, weiterhin felsenfest davon überzeugt, ihre Rolle als Dozentin in dieser Maßnahme würde entscheidend mit dazu beitragen, dass wir mit Erfolg einen Arbeitsplatz erhalten.
Mein Nachbar legt mir einen Artikel der RZ vor, in dem unsere Maßnahme über den Klee gelobt wird. Es ist sogar von vier erfolgreichen Vermittlungen die Rede- wir rätseln allerdings, wer dies denn sein könnte, weil uns lediglich eine bekannt ist. Nichtsdestotrotz rechtfertigt diese Zahl längst nicht den Kurs- manchmal kommt es halt vor, dass wir 50 Jährige auch ohne „Gängelung“ uns bestmöglich bewerben !
Quelle: http://www.elo-forum.net/hartz-iv/hartz-iv/-200810262032.html
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